»Und vielleicht würden auch die Eltern begreifen, dass sie auf ihre Kinder besser
aufpassen sollen, wenn sie im Internet surfen«, fügt Bob hinzu.
»Organisieren wir also diese ›Führerscheinprüfung für Handys‹!«, schlägt Lola begeistert vor.
Sie hat plötzlich die Hoffnung, wenn sie die Prüfung schafft, würde sie vielleicht sofort ein Smartphone bekommen. Ihre Eltern haben ihr wiederholt gesagt, dass sie vor ihrem zehnten
Geburtstag kein Smartphone haben darf. Sie kann ganz unmöglich noch zwei Jahre warten, das ist todsicher!
»Das könnte eine Möglichkeit sein, auch Max dazu zu bringen mitzumachen, und vielleicht bekommt er dann wieder Lust, mit seinen echten Freunden Spaß zu haben und für eine Weile die virtuellen zu vergessen«, überlegt Bob.
»Genau, also gehen wir es an!«, drängt Steffen.
Lola, Peter und Midori Kuma laufen zu Olivia, um ihr diese Führerscheinprüfung vorzuschlagen. Sie ist sofort dabei. Sobald sich eine Herausforderung stellt, kann Olivia ihren Kampfgeist nicht bezähmen. Sie will immer gewinnen, auch wenn es nicht nötig ist. Sie besitzt ja bereits ein Smartphone und kann es verwenden, wie sie will.
Sie läuft gleich zu Daniel, um ihm von dem Plan zu berichten, und Daniel spornt die anderen Rennfahrer an, auch mitzumachen. Es fehlt nur Max.
»Kommt nicht infrage«, antwortet er, sobald Olivia ihm den Plan erklärt. Er sagt das aber nicht feindselig, er scheint eher müde zu sein, lustlos, fast schläfrig.
Olivia kann Niederlagen nicht akzeptieren. Im Augenblick lässt sie ihn in Ruhe, aber beschließt, es später wieder zu versuchen. Jetzt ist nämlich der Augenblick gekommen, auf die Rennstrecke zurückzukehren – es beginnen die Qualifikationsrennen.
Jeder Pilot bemüht sich, eine Runde in der kürzest möglichen Zeit zu fahren. Auf diese Weise wird die Startposition beim Rennen festgelegt. Der Schnellste startet vor allen in Poleposition, gefolgt von den anderen, der Langsamste zum Schluss. Man nennt das die Startaufstellung. Bis vor wenigen Wochen konnten die Kinder nur um den zweiten Startplatz und jene dahinter kämpfen, weil Max immer den ersten Platz gewann – er war für alle Konkurrenten einfach zu schnell.
Heute dagegen wundert sich keiner mehr, wenn sein Name auf der Rangliste der Qualifikationen ganz unten und mit einem Riesenabstand zum Vorletzten aufscheint.
Lola, Peter und Midori Kuma schauen zu, wie die Kinder während einer halben Stunde so schnell sie können ihre Runden drehen, dann laufen Lola und Midori Kuma, um die Ergebnisse zu erfahren. Sie freuen sich, dass Olivia in Poleposition starten wird, Daniel dagegen hat den vierten Platz erreicht.
Während sie zu Peter zurückkehren, um ihn zu informieren – er ist bei der Rennstrecke geblieben, um noch mehr Fotos zu machen –, versperrt der Bär Lola den Weg und beginnt sich besorgt den Kopf zu kratzen. In der Nähe stehen Max und seine Mama, die angeregt miteinander reden. Lola und Midori Kuma hören angestrengt zu und hoffen, dass sie Max überreden kann, bei
der Prüfung mitzumachen.
»Warum können wir nicht gleich weg? Ich hab keine Lust hierzubleiben«, fragt der Junge.
»Weil auch du die Führerscheinprüfung für das Handy machen musst. Es ist eine gute Idee und du wirst sehen, dass sie dir nützlich sein wird«, erklärt seine Mama liebevoll.
»Ich kann nicht und es interessiert mich nicht. Ich hab eine Online-Verabredung mit meinen neuen Freunden, um zu spielen, und wenn ich mein Handy nicht auflade, geht es nicht!«
»Liebling, Papa und ich denken, dass es besser ist, wenn du ein Weilchen kein Handy hast und auch keine Videospiele mehr spielst. Es sieht so aus, als hättest du zu viel davon abgekriegt.«
»Was?!« Max schaut seine Mutter erstaunt an.
Als er sieht, dass sie es ernst meint, wirft er seinen Helm in hohem Bogen weg und rennt fort. Midori Kuma kratzt sich immer noch den Kopf und seine Augen sind traurig.
»Komm, sagen wir den anderen, dass Max die Prüfung nicht macht«, murmelt Lola leise.