Das Schauspiel ist wirklich spannend. Lola und Peter sind von den Ereignissen auf der Strecke fasziniert.
Es finden zwar nur Probefahrten statt und die jungen Piloten sollen bloß trainieren, um morgen eine schnelle Runde zu fahren und die Strecke für das Rennen am Sonntag kennenzulernen, aber gleich beim ersten Kontakt mit der Rennbahn zeigen sie, wie sehr jeder von ihnen der Beste sein will.
Sie sind noch jung, aber schon sehr kämpferisch. Alle bereiten sich auf ein einziges Ziel vor – zu gewinnen. Und um dieses Ziel zu erreichen, fahren sie mit echtem Kampfgeist, manchmal schon an der Grenze der Regeln für diesen Sport.
Midori Kuma bedeckt jedes Mal die Augen mit seinen grünen Pfoten, wenn er glaubt, dass sich zwei Karts zu nahe kommen.
»Schau die zwei Gokarf, sie stoßen zusammen!«, ruft Lola besorgt und zeigt auf zwei Fahrzeuge, die mit großer Geschwindigkeit dahinbrausen und aneinanderzukleben scheinen.
»Gokart! Es heißt Kart und nicht Karf. Das sind ja nur vier Buchstaben, wie kommt es, dass du sie dir nicht merken kannst?« Peter lacht.
Er hat nicht begriffen, dass Lola zum Spaß das Wort verstümmelt, um ihren Cousin zum Lachen zu bringen. Gleich darauf fragt er sich erstaunt und voller Bewunderung:
»Wie schaffen sie das, so zu fahren, ohne sich gegenseitig zu rammen?«
»Sie machen mir ein bisschen Angst, aber ich hätte auch Lust, es zu versuchen!«, wiederholt Lola seit ein paar Minuten.
Bevor das Wochenende vorüber ist, muss sie ihren Papa überreden, sie ein paar Runden fahren
zu lassen. Inzwischen verfolgt sie das Treiben von zwei Fahrern – der erste ist Daniel, die zweite Olivia. Lola hat beschlossen, dass sie beim Rennen auch Olivia anfeuern wird.
Sie ist nicht nur das einzige Mädchen auf dieser Strecke, sondern scheint auch sehr sympathisch zu sein. Lola ist sicher, eine neue Freundin gefunden zu haben.
»Wenn ich ein Smartphone hätte, das nur mir gehört, könnte ich Fotos machen und diese supertolle Veranstaltung meinen Freundinnen zeigen«, murmelt sie.
»Dann könnten sie auch sehen, wie total süß Daniel ist ...« Peter schießt nämlich ununterbrochen Fotos von den Rennfahrern auf der Strecke.
Dann bearbeitet er die Bilder mit allen Filtern, mit denen die Spezialkamera seines Smartphones ausgestattet ist, und verschickt sie sofort an seine Eltern, Freunde und Schulkameraden.
Zu den Fotos schreibt er lustige Texte, ganz im Stil von Cartoons. Dabei hilft ihm eine geniale App, die er kurz vor der Abfahrt von zuhause heruntergeladen hat.
Er fühlt sich fast wie ein professioneller Fotograf. Jetzt verewigt er sogar Midori Kuma am Rand der Rennbahn und amüsiert sich, dem Bären zu zeigen, wie er ihn in anderen Farben darstellen kann – nicht mehr grün, sondern gelb, dann blau und zum Schluss verwandelt er ihn in ein fluoreszierendes Rosa.
Der Bär reißt verschreckt die Augen auf und untersucht seinen Körper. Einen Augenblick hat er geglaubt, wirklich die Farbe gewechselt zu haben. Lola beruhigt ihn und gibt ihm ein Küsschen, dann ergreift sie seine Pfote und fragt ihren Cousin, ob sie nicht zu dritt ein
Selfie machen könnten, zur Erinnerung an diesen ganz besonderen Tag.
Während sie noch das gut gelungene Foto bewundern und diskutieren, wer von den Verwandten es zuerst bekommen soll, hören sie wie Bob sagt:
«Kinder, merkt euch, dass auf der Rennbahn nur der Schnellste gewinnt, es aber in eurem Alter wichtiger ist, bremsen zu können, als das Gaspedal durchzudrücken!«
Die drei schweigen, sie wissen nicht, was sie antworten sollen, denn ehrlich gesagt verstehen sie die sonderbaren Worte nicht, die der schnurrbärtige Mechaniker von sich gibt. Midori Kuma dagegen gibt Bob ein High Five.
»Ich glaube, er ist ein Außerirdischer.« Lola ist davon überzeugt, weil er sonst nicht so sonderbares Zeug reden würde.
Aber Bob ist kein Außerirdischer. Im Augenblick ist er nur ein Mechaniker, der mit seiner Lieblingspilotin zufrieden ist – mit Olivia! Sie war bei den Probefahrten
die Schnellste.
Als Steffen zu den dreien stößt, erzählt Peter ihm von den eigenartigen Sätzen, die Bob äußert. »Das ist doch ganz klar!«, ist Steffens Kommentar.
»Bob will einfach sagen, dass ihr Kinder gerne das Gaspedal durchdrückt, das heißt, dass ihr zu viele Dinge machen wollt, bevor der richtige Augenblick gekommen ist, bevor ihr das passende Alter dafür habt. Aber man darf nie vergessen zu bremsen, also an die Sicherheit zu denken.« Peter und Lola schauen sich jetzt noch verwirrter an.
Was ist denn hier los? Warum reden alle so eigenartiges Zeug? Peter und Lola verstehen wirklich nicht, von welchen Gefahren Steffen und Bob reden, noch wovor sie sich in Sicherheit bringen sollen.
In diese Gedanken vertieft folgen die beiden Kinder und Midori Kuma Steffen, der zum Auto geht. Sie müssen ins Hotel zurück, damit Lolas Vater beginnen kann, den Artikel für die Zeitung zu schreiben. Diesmal stoppt Midori Kuma die Gruppe. Er sieht besorgt aus und kratzt sich sogar den Hinterkopf. Es muss wieder etwas Ungutes geschehen sein.
Also machen alle kehrt und folgen dem Bären, der sie hüpfend und springend zu dem Bereich zurückführt, wo die Gokarts von Daniel und Max geparkt sein sollten.
Sollten, weil in Wirklichkeit der Kart von Max auf dem von Daniel gelandet ist. Und zwischen den beiden ist ein neuer Streit ausgebrochen.
»Er ist wie ein Wahnsinniger daher gerast, ohne zu
bremsen«, erzählt Daniel wütend Bob.
»Zum Glück war ich schon ausgestiegen, sonst hätte ich mich verletzen können. Schaut, was er angestellt hat – es sieht aus wie ein Doppeldecker-Gokart!«
»Beruhige dich, Daniel, wir helfen dir jetzt, den Gokart herunterzuholen, und dann sehen wir nach, ob die Fahrzeuge in Ordnung sind«, versucht der Mechaniker, ihn zu beruhigen.
»Ich werde mich nicht beruhigen! Er hat sich nicht einmal entschuldigt. Es ist ihm egal, ob er mir das Rennen versaut. Ich will keinen solchen Kameraden mehr im Team«, schreit Daniel und versucht, die Tränen zurückzuhalten.
Er ist sauer, dass sein Kart Dellen hat, aber vor allem tut ihm das Verhalten von Max leid, der bis vor wenigen Wochen einer seiner besten Freunde war. Die Mutter von Max versucht, ihn zu überreden, sich bei Daniel zu entschuldigen, aber Max blickt abwesend vor sich hin, wirkt zerstreut. Als ginge es ihn nichts an, dass sein Gokart auf dem seines Kameraden geparkt ist. Anstatt sich zu entschuldigen, beginnt Max sogar mit einer so wütenden Stimme zu schreien, dass
ihn seine Freunde kaum wiedererkennen:
»Es ist mir egal, wo mein Kart gelandet ist, es ist mir egal, ob Daniel beim Rennen mitmachen kann, all diese Rennbahnen sind mir egal. Wollt ihr es endlich begreifen? Ich hab das Ganze satt, satt!«