»Dass nicht alles, was unsichtbar scheint, es auch wirklich ist. Es gibt Dinge, die gefährlich sein
können, auch wenn man nicht weiß, wie sie aussehen. Aber wenn wir ein bisschen vorsichtig sind, bekommen wir kein Bauchweh«, antwortet ihr Papa.
Lola und Peter sehen sich verdattert an und fragen sich, ob wenigstens einer von beiden den Sinn dieser sonderbaren Aussage verstanden hat.
»Eines Tages erkläre ich euch, was ich sagen wollte« verspricht Steffen.
»Wie viele Geheimnisse heute«, bemerkt Lola.
»Papa, willst du uns nicht erklären, was an diesem Wochenende passieren wird? Fahren wir zu ... einem unsichtbaren Ort?«
»Du hast recht, Lola, jetzt erkläre ich alles.« Steffen ist Journalist und hat einen neuen Auftrag
bekommen – er muss zu einer Kartbahn fahren, das heißt, zu einer Rennstrecke, die kleiner als die für Formel-1-Rennen ist, weil dort ein wichtiges Kinderrennen
stattfindet.
Die kleinen Rennfahrer lenken Gokarts, das sind kleine Fahrzeuge für alle, die eines Tages Profirennfahrer werden wollen. Steffen muss Interviews mit den kleinen Piloten machen und herausfinden, was sie sich für ihre Zukunft erträumen. Das Rennen findet über drei Tage hinweg statt. Am Freitag sind die Probefahrten vorgesehen. Die kleinen Piloten lernen die neu Rennstrecke kennen und finden heraus, wie sie die Strecke in der bestmöglichen
Zeit zurücklegen können.
Der Samstag ist für die Qualifikationen bestimmt – jeder Fahrer muss versuchen, schneller als die anderen zu sein, um dann als Erster zu starten. Am Sonntag findet das Rennen statt.
»Peter, such‘ im Internet ein Foto von einem Gokarp, damit ich sehen kann, wie er aussieht«, befiehlt Lola, die keine Ahnung hatte, dass auch Kinder Rennen fahren können.
»Das heißt nicht Gokarp, sondern Gokart!«, verbessert sie Papa.
In wenigen Sekunden findet Peter im Internet das richtige Foto.
»Hier, schau wie die Fahrer sitzen, mit dem Hintern praktisch auf dem Asphalt!«, erklärt Peter.
Er ist bei der Vorstellung, eine Rennbahn zu besichtigen, total aufgeregt. Im Fernsehen schaut er sich immer die Autorennen an. Steffen muss ganz viele Fragen beantworten und zugleich
lange erklären, wie sie sich auf der Rennbahn verhalten sollen, um niemanden bei der Arbeit zu stören. Als er in den Rückspiegel blickt, sieht er, dass seine kleinen Mitreisenden eingeschlafen sind.
Sobald Steffen in den Bereich der Rennbahn fährt, öffnen Lola, Peter und Midori Kuma im selben Augenblick die Augen, als hätten sie einen Wecker gehört.
Der von der Rennbahn zu ihnen dringende Lärm ist ohrenbetäubend. Die drei Freunde drücken die Gesichter an das Autofenster. Sie können es nicht erwarten, auszusteigen und loszurennen, um herauszufinden, was man mit diesen komischen kleinen Autos machen kann.
Aber das ganze Umfeld ist total spannend, die Kinder in ihren Klamotten, die aussehen, als wären sie Formel-1-Piloten mit Helmen, die sie fast wie Außerirdische wirken lassen – ein riesiger Kopf auf einem kleinen Körper. Und dann die Rennbahn mit all ihren Kurven, den Schutzreifen am Rand der Strecke und vor allem das Gefühl, an etwas Besonderem, Außerordentlichem teilzuhaben.
»Muss man eine Prüfung machen, um mit den Garts zu fahren?«, fragt Lola.
»Sie heißen Karts!« Diesmal verbessert Peter sie und lacht.
»Um bei einem Rennen mitzumachen, braucht man eine Lizenz, eine Art Führerschein. Sonst genügt es, dass man die nötige Schutzausrüstung hat, dann kann man Gokarts für ein paar Runden mieten«, erklärt Steffen.
Wie immer ist Lola superneugierig und will alles Mögliche wissen.
»Wozu liegen denn all diese Reifen am Rand der Strecke? Muss man einen Helm tragen? Was muss man tun, damit man richtig schnell fahren kann? Haben sie keine Angst? Papa, kaufst du mir einen Pilotenanzug, um mit einem Mart zu fahren?« Steffen und Peter lachen los und Midori Kuma kratzt sich den Bauch.
Lola gelingt es einfach nicht, das Wort ›Kart‹ richtig auszusprechen. Alle sind sich zweier Dinge sicher: Erstens, dass sie bis Sonntag auch dieses neue Wort lernen wird und zweitens, dass sie sich jetzt nicht nur ein Handy wünschen wird, sondern auch mit einem Gokart fahren zu dürfen.
Und sie ist nicht die Einzige, die sich das wünscht.