Kaspersky Lab veröffentlicht seinen Spam-Bericht für das erste Halbjahr 2009. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus sind:
- Der Spam-Anteil hat sich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert. Der Prozentsatz der Spam-Mails mit schädlichen Inhalten ist mit 0,3 Prozent konstant geblieben.“
- Die Wirtschaftskrise hatte keine Auswirkung auf das gesamte Spamaufkommen, allerdings auf die Themen der Spam-Mails.
- Eine Verschiebung der Spam-Quellen von West nach Ost ist deutlich erkennbar. Osteuropäische Länder werden für Spammer zunehmend interessanter, da sie bisher noch unzureichend vor Cyberkriminalität geschützt sind.
Zu den Ergebnissen im Detail: Obwohl das Jahr bisher von der globalen Wirtschaftskrise geprägt wurde, konnte Kaspersky Lab in seiner Spam-Analyse für das erste Halbjahr 2009 keine wesentlichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das gesamte Spamaufkommen feststellen. Der Anteil im E-Mail-Traffic betrug durchschnittlich 85,5 Prozent, ein ähnlicher Wert wie im ersten Halbjahr 2008. Schädliche Anhänge befanden sich in 0,3 Prozent aller Spam-Mails.
Obgleich die Wirtschaftskrise keine Auswirkungen auf den Spam-Anteil im E-Mail-Traffic hatte, so haben sich doch die Themenschwerpunkte der Spam-Mails verändert. Einen Rekordwert von 16,6 Prozent erreichte hier die Kategorie der „Eigenwerbung der Spammer“. Gleichzeitig verringerte sich Spam, der Waren und Dienstleistungen der realen Wirtschaft bewirbt, um 10 Prozent, dieser machte 35 Prozent des gesamten Spamaufkommens aus. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 gab es mehr unerwünschte Angebote aus den Kategorien „Tourismus und Bildung“ sowie für „verschiedene Waren und Dienstleistungen“. Im ersten Halbjahr 2008 (also vor der Krise) entfielen auf derartige Werbung 45 Prozent.
Weitaus weniger Auswirkungen hatte die Krise auf die restlichen im ersten Halbjahr 2009 gemessenen 65 Prozent von Spam-Mails, zu denen unter anderem Angebote aus dem Bereich der Schattenwirtschaft sowie schädliche und betrügerische Spam-Mitteilungen zählen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Erstens ist Spam für Cyberkriminelle der sicherste Weg, Kundschaft zu akquirieren (aufgrund der Anonymität). Zweitens sind zahlreiche Betrügereien – etwa Phishing – ohne Spam schlicht und einfach nicht möglich. Überdies verfügen viele Kriminelle über eigene Botnetze bzw. über die nötige IT-Infrastruktur zur massenhaften Versendung von Spam.
Führende Spamthemen im ersten Halbjahr 2009 waren: Gesundheit und Medikamente (22,1 Prozent), Werbung für Spammer-Dienstleistungen (16,6 Prozent), Spam für Erwachsene (11 Prozent), Bildung (10,4 Prozent) und Imitate von Luxusgütern (7,4 Prozent).
Erfreulich ist, dass der Anteil von Phishing-Mails entgegen aller Vorhersagen zurückgegangen ist: Nur 0,6 Prozent aller Spam-Mails enthielten Links auf Phishing-Webseiten. Phisher versuchen in der Regel, außergewöhnliche Situationen auszunutzen, um durch Verunsicherung der Anwender an deren persönlichen Daten zu kommen. Anscheinend zeigen die von großen Bezahlsystemen und Banken ergriffenen Anti-Phishing-Maßnahmen sowie das insgesamt zunehmende Anwenderbewusstsein erste Erfolge im Kampf gegen Phishing.
An der Spitze der Spam versendenden Länder stehen nach wie vor Russland (11 Prozent) und die USA (10 Prozent). Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass sie im zweiten Halbjahr von den Führungspositionen verdrängt werden. Denn die Anzahl der aus diesen Ländern stammenden unerwünschten Mitteilungen nimmt ab. Während der Anteil der aus Russland verschickten Spam-Mails im zweiten Halbjahr 2008 noch 22 Prozent betrug, waren es in der ersten Jahreshälfte 2009 nur noch 11 Prozent, wobei dieser Wert im Monat Juli bei nur 8 Prozent lag. Allerdings ist der Kampf gegen Spam in Russland bisher nicht so erfolgreich, dass sich eine weitere Abnahme des Spam-Anteils prognostizieren ließe. Vermutlich wird sich der Wert für die unerwünschten Mitteilungen, die aus Russland verschickt werden, zwischen 8 und 10 Prozent einpendeln. Auf Platz drei des Rankings der Spam-Herkunftsländer landete Brasilien mit 8 Prozent. Einen Zuwachs an Spam-Versendungen verzeichneten Indien (7 Prozent), Polen (4 Prozent), Rumänien (3 Prozent) sowie Thailand (3 Prozent). Spanien, Italien, Deutschland und die Ukraine wurden aus den Top 10 der Spam-Herkunftsländer verdrängt.
Insgesamt ist eine Verschiebung der wichtigsten Spam-Quellen von West nach Ost festzustellen. Die Länder Asiens, Lateinamerikas und auch die osteuropäischen Länder (mit Ausnahme von Russland) werden für Spammer immer attraktiver, weil die Anwender hier bisher noch unzureichend vor Cyberbedrohungen geschützt sind. Wie weit sich diese Tendenz künftig fortsetzen wird, ist schwer zu sagen. Allerdings ist anzunehmen, dass sich die geographische Verteilung der infizierten Computer, die Spam versenden, wieder ausgleichen wird, sobald die Anwender in der östlichen Welt beginnen, ihre Systeme besser zu schützen.
Die vollständige Version der Analyse ist verfügbar unter: www.viruslist.com/de.
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