Eugene Kaspersky, CEO und Mitgründer des russischen Sicherheitssoftware-Experten Kaspersky Lab, hat sich den Themen „Cyberkriminalität als Geschäft“ und „Das Wettrüsten der Cyberkriminellen“ angenommen. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im Kampf gegen die Verbrecher im Cyberspace, greift Eugene Kaspersky in dem Artikel auf eine fundierte Erfahrung zurück. Er befasst sich dabei mit zwei Hauptbereichen der Cyberkriminalität: Der erste Teil dreht sich um den Geschäftszweig der modernen Cyberkriminalität, im zweiten Teil geht der Virenanalyst auf die verschiedenen Angriffsarten ein.
Cyberkriminalität funktioniert wie jedes andere Geschäft nach herkömmlichen Geschäftsprinzipien wie Rentabilität, einfache Nutzung, Risikomanagement und Auswahl von Wachstumsmärkten. „Das System Cyberkriminalität ist dabei, mit etablierten Beziehungen und Geschäftsmodellen seine Reife zu erlangen.“, weiß Eugene Kaspersky. „Das wichtigste Kriterium für jegliche Art von Geschäft ist Rentabilität. Cyberkriminalität ist dabei keine Ausnahme.“
Der zunehmende Austausch von Geld und Daten lockt mehr und mehr Kriminelle an und gesetzeswidrige Handlungen breiten sich immer weiter aus. Dabei hat die Cyberkriminalität ein gewisses Niveau erreicht: Etablierte Beziehungen und Geschäftsmodelle sind keine Seltenheit mehr, sondern Normalität. Eine neue Klasse von Cyberkriminellen handelt ganz offen mit Schadcode. Dabei sind die Grenzen des Umsatzes nach oben offen – es beginnt bei kleinen Betrügern, die wiederholt nach geringen Geldbeträgen trachten, bis hin zu Verbrecher-Magnaten, die große Summen auf einmal ergaunern.
Ebenfalls im Wandel ist die Art und Weise, wie Kriminelle sich unrechtmäßig Geld und Daten ergaunern. Dabei kann man durchaus eine Art Generationswechsel feststellen – moderne Cyberkriminelle nutzen bevorzugt Trojaner als Waffen, um Botnetze aufzubauen, Kennwörter und vertrauliche Daten zu stehlen, DoS-Angriffe auszuführen oder Daten zu verschlüsseln, um Opfer erpressen zu können.
Besorgniserregend ist dabei, dass moderne Cyberkriminelle nicht mehr nur das schnelle Geld im Blick haben, sondern vielmehr bestrebt sind, die eigene Präsenz auf dem infizierten System aufrechtzuerhalten. Kaspersky dazu: „Häufig sorgt Malware für die Entfernung anderer zuvor installierter Schadprogramme, um den angegriffenen Computer selbst übernehmen und kontrollieren zu können.“ Erfolgversprechend sind dabei die Angriffe, die gezielt an bestimmte Unternehmen gerichtet sind. Ein kostspieliger Weg – aber einmal lanciert fast immer von Erfolg mit ansehnlicher Rendite gekrönt.
Trotz der wachsenden Bedrohungen zieht Kaspersky aber kein negatives Resümee: „Ich glaube nicht, dass wir Cyberkriminalität jemals vollständig unterbinden können – genauso wenig wie Kriminalität in der realen Welt. Mit einer starken Gemeinschaft können wir Cyberkriminelle jedoch in den meisten Fällen besiegen.“
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