Der russische Präsident Wladimir Putin traf sich im Rahmen einer Konferenz mit Unternehmensleitern zehn führender russischer Firmen aus der IT-Branche. Jeder der Teilnehmer vertrat ein bestimmtes Segment der Computerindustrie. Der Bereich Informationssicherheit wurde von Natalia Kaspersky, Chefin von Kaspersky Labs, dem größten russischen Anbieter im Bereich Datensicherheit, repräsentiert.
Förderung der Entwicklung in der IT-Branche
In der heutigen Zeit ist Informationstechnologie ein wichtiger Entwicklungsfaktor für jeden Staat. In Russland sind alle Voraussetzungen gegeben, um eine gute Position im weltweiten IT-Markt zu erreichen. Bestens ausgebildete IT-Fachkräfte und Auslandserfahrung russischer Unternehmen bilden eine solide Basis für weitere Exporte und Expansionen.
Entsprechend ging es bei dem Treffen vor allem um alltägliche Probleme russischer IT-Firmen. "Ich glaube, das Treffen mit dem Präsidenten ist von sehr großer Bedeutung für alle Teilnehmer. Die Elite der russischen IT-Branche hat die Möglichkeit erhalten, mit dem Staatsoberhaupt persönlich über Probleme und mögliche Lösungen zu diskutieren", so Natalia Kaspersky.
Das Treffen im Kreml dauerte zweieinhalb Stunden und verlief in einer sehr sachlichen Atmosphäre. Der Präsident zeigte sich sehr interessiert, stellte kompetente Fragen und gab fachliche Kommentare ab. Er zeigte sich sehr gut informiert über IT-Technologien.
Gehemmte Entwicklung des IT-Sektors
Natalia Kaspersky legte dem Präsidenten ihre Meinung zur Situation in der IT-Branche dar und machte Vorschläge, wie diese Situation verbessert werden könnte. "Wir als Anbieter von Datensicherheits-Software für Endverbraucher sind primär mit zwei Problemen konfrontiert: gesetzliche Einschränkungen für die Entwicklung von kryptographischen Produkten und Hindernisse beim Export von Produkten und Technologien."
Einerseits besteht in Russland eine Reihe von ernsten Hindernissen für Entwicklung von kryptographischen Programmen, wie beispielsweise ein äußerst rigides System zur Lizenzvergabe für solche Produkte, Isolationspolitik und restriktive Maßnahmen in bezug auf den Export von Endprodukten. Dies alles macht eine Expansion für Kaspersky Labs praktisch unmöglich, während ausländische, vorwiegend amerikanische Firmen auf den russischen Markt drängen. "Die staatliche Regulierung des Datenschutzes in Russland weist in vielen Punkten Ähnlichkeiten zu der Situation in den USA Anfang der 80-er Jahre auf. Die USA haben 15 Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass eine totale Kontrolle über den Einsatz von Datenschutz-Systemen nicht nur unmöglich, sondern auch schädlich ist. Wir sollten fremde Fehler nicht wiederholen. Wir müssen die staatliche Politik in diesem Bereich entsprechend anpassen ", erklärte Natalia Kaspersky.
Ein anderes Problem, das die weitere Entwicklung russischer IT-Unternehmen hemmt, ist die strenge Währungskontrolle. Dieses System hindert russische Hersteller daran, ausländische Märkte zu erschließen und schafft zusätzliche Hürden für eine Gewinnerzielung.
Die aktive Erschließung westlicher Märkte soll russischen IT-Firmen ermöglichen, die im Ausland erwirtschafteten Geldmittel in die Entwicklung von IT-Technologien in Russland zu investieren. Diese Kapitalinvestitionen können genutzt werden, um die eigene Wirtschaft zu fördern und positiv auf die Zahlungsbilanz des Landes zu wirken. Es ist besonders wichtig für kleinere und mittelständische Unternehmen, die den Kern der russischen IT-Industrie bilden und bis jetzt nur beschränkten Zugang zu Kapitalmärkten haben.
Einigkeit über Ziele
Putin stimmte Natalia Kaspersky in Bezug auf die Notwendigkeit einer Lizenz zur Kapitalausfuhr zu. Diese Frage werde zur Zeit noch diskutiert, stoße aber auf heftigen Widerstand bei einigen staatlichen Institutionen.
Weiterhin wurde auch die starke Verbreitung von Raubkopien in Russland - auch bei staatlichen Behörden -, eGovernment und Urheberrechtsschutz diskutiert.
"Ich denke, dieses Treffen war sehr positiv. Es war vorauszusehen, dass es keine sofortigen politischen Entscheidungen nach sich ziehen wird. Es ist aber wichtig, dass zwischen der Regierung und der russischen IT-Industrie ein Dialog beginnt. Das ist ein gutes Zeichen für das zukünftige Verhältnis des Staates zur Computerindustrie. Russland könnte schon bald in einer Reihe mit weltweit führenden Anbietern im Bereich der IT-Technologie stehen", resümierte Natalia Kaspersky.