Auswahl aus Spam-Test Nr. 2, 27.06.2003
Wer steckt hinter Spamming?
Spammer sind die Urheber von Spam, der unsere Mail-Boxen dauern verstopft. Aber wer sind eigentlich diese Spammer?
Spammer kommen in unterschiedlichen Kategorien. Der Markt für Spammer-Dienstleistungen ist groß und bietet Platz für einen gesamten Wirtschaftszweig, der sich bereits in verschiedene Ebenen unterteilt. Man kann hier 4-5 Ebenen hervorheben.
Spamming-Profis
Versanddienste. Die eigentlichen Spammer. Diese sind Firmen oder organisierte Gruppen von hochqualifizierten Leuten mit einem Informatikbackground. Diese Firmen haben eine perfektionierte Software, die eine hohe Anzahl von Massensendungen pro Zeiteinheit (bis zu 100 eMails pro Sekunde, d.h. 200 000 pro Stunde) verschicken und anschließend die Spuren verwischen kann. Sie bieten Massensendungen in Millionenhöhe gegen ein relativ geringes Entgeld an.
Dieses Geschäft ist recht rentabel - ein erfolgreiches russisches Spamming-Büro kann monatlich einige Tausend Euro verdienen.
Sammler von Datenbanken. Diese Spieler bedienen die Bedürfnisse der Spammer und sammeln für sie Adressen, die sie zu Datenbanken komprimieren. Sie verwenden unterschiedliche Software zum Adressensammeln im Internet, prüfen deren Validität und speichern sie in Datenbanken ab. Sie verwenden unterschiedliche Methoden - von der Entwendung von Adressen beim Provider (über entsendete Spione) bis zur Sammlung von Adressen (mithilfe verschiedener heuristischer Algorithmen und sogenannter linguistischer Attacken).
Softwarehersteller. Das sind diejenigen, die Software für Spammer, Software zur Adressenrecherche auf Seiten und Foren (sog. Netz-Spinnen), Software für Massensendungen, Software zur Überprüfung der Existenz und Validität von Adressen usw. herstellen.
'Mischlinge'. Oftmals vereinen sich diese drei Kategorien, so z.B. im entwickeltsten Spamming-Büro im russischen Netz 'Demetrius'.
Spamming-Dilettanten
Hier gibt es zwei Typen - ungewollte Spammer (gutwillige) und Anfänger.
Anfänger. Solch ein Spammer versucht sein Geschäft mit Massensendungen aus dem Stehgreif mit technisch relativ untauglichen Mitteln zu organisieren: Er kauft sich die Karte eines Providers und seine Sendungen laufen über ein Modem. Diese eMails machen nur einen kleinen Anteil am Spam insgesamt aus, da hier sofort Probleme für den Spammer entstehen (das Konto läuft schnell ab, die Sendegeschwindigkeit ist gering, die Adressenbank ist veraltet, der Provider bemerkt die Aktivität und schließt das Konto usw.). Solche Spammer verwischen kaum ihre Spuren und von ihnen sind oftmals Sendungen mit Viren zu erwarten. Echter Dilettantismus, mit dem man allerdings wahrscheinlich nur wenig verdient.
'Gutwillige Spammer'. Dies sind meistens Mitarbeiter einer Marketingabteilung, die plötzlich die fantastischen Möglichkeiten der eMail-Reklame entdeckt haben. In der Tat: Schreib wem du willst und es kostet dich nichts! Sie holen sich ihre Adressen von bekannten Seiten und geben in der eMail ihre volle Absenderadresse an. Die Ernüchterung folgt zumeist rasch: Der Provider bemerkt die Massensendung und löscht die Domäne. Die Verbindung bricht ab und es bedarf eines langen Briefwechsels mit dem Provider um sie wieder herzustellen. Man darf spekulieren, dass nach dem ersten missglückten Versuch der Mitarbeiter mit dem Spammen aufhört oder sich an professionelle Spammer wendet um deren Kunde zu werden.
Spamming-Kunden
Die Kunden von Spammern sind in der Regel mittelständische Unternehmen, verschiedene Internet-Strukturen oder einfach Internet-Banden.
Mittelständische Unternehmen werben offen und ehrlich für ihre Produkte in der Hoffnung ihr Geld richtig investiert zu haben (was kurzfristig auch zutreffen mag). Da viele mittelständische Unternehmer sich nicht im Internet aufhalten und die Stimmen der Anwender hören, wissen sie oftmals nicht, dass Spam vielen nicht gefällt. Sie urteilen nach dem Resultat: Reklameauftrag bezahlt - Anrufe erhalten. Spam mittelständischer Unternehmen trägt klar regionale Züge. Die meisten Spam-eMails russischer Händler werden klar von russischen Spammern im Internet verschickt.
Internet-Banden. Sie werben hauptsächlich mit dem Zugang zu unterschiedlichen Pornoseiten, unpatentierten Medikamenten, zweifelhaften Mitteln zur Potenzsteigerung und finanziellen Pyramiden sowie anderen Betrügereien. Fast in allen Fällen geht es hier um Gesetzeswidrigkeiten und Betrug. Spam von Internet-Banden kommt meist aus dem Westen, da es dort einfacher ist, Geld über das Internet zu waschen. Im russischen Netz erscheinen bisher Kettenpyramiden, die dazu auffordern, eMails an Freunde weiterzuschicken. Kürzlich konnte man die erste russische Seite mit Infos zur Erhöhung männlicher Potenz verzeichnen.
Spammer. Manchmal machen Spammer auf unverkauften Plätzen auch für sich selbst Reklame. Sie werben mit Adressen-Banken, mit den eigentlichen Versanddiensten usw.
Daher kann man sagen, dass Spamming ein etablierter, voluminöser und profitabler Wirtschaftszweig mit eigener Infrastruktur ist: Mit Dienstleistern und Kundendatenbanken usw. Dieser Zweig ist vor unseren Augen in den Jahren 2000-2003 entstanden.
31.10.2003
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